Skulptur „Gekreuzigter“

Skulptur „Gekreuzigter“

Skulpturfragment „Kruzifix“, Italien, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts (?)

Sehr qualitätvolle und seltene Arbeit aus Cartapesta (Pappmaché), vollrund gearbeitet mit ausdrucksstarker, ursprünglicher Farbfassung mit Glasaugen

Maße: H: 26,5 cm, B: 8,0 cm, T: 8,0 cm

Erhaltung: grundkonserviert und minimalrestauriert. Hängefertig auf neuzeitlichem Sockel aus brüniertem Messing

 

Beschreibung

Auf einem neuzeitlichen Sockel aus brüniertem Messing erhebt sich ein äußerst feingliedrig in Cartapesta ausgearbeiteter Corpus. Die fragmenthaft erhaltene Skulptur zeigt den Gekreuzigten. Durch eine starke Überstreckung des Halses wird das Haupt nach rechts oben verdreht. Somit ist der entrückte Blick Christi ebenfalls nach oben gerichtet, durch das Einsetzen von Glasaugen erfährt das in sich versunken sein eine zusätzliche Betonung. Es sind gerade die Augen, die auch bei mehrmaligem Betrachten immer wieder erneut alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der leicht geöffnete Mund erinnert einmal mehr an den letzten Atemzug, das Übergehen vom Leben in den Tod. Dem unbekannten Künstler ist es so gelungen, die Schwelle vom Aktiven ins Passive auf sehr eindringliche Art darzustellen. Sehr individuell gestaltete Locken umrahmen das Haupt der Figur, neben plastischen formulierten Haarpartien, finden sich auch aufgemalte. Ein fließender Übergang von Plastik zur Malerei ist hier geradezu meisterhaft umgesetzt. Vermutlich hatte das Objekt ursprünglich eine Dornenkrone getragen, das zeigt die Stirnpartie und auch die am Hinterkopf homogen ausformulierten Haare. Eher selten und daher auch nennenswert ist auch die bei diesem Kunstwerk zu sehende Überschneidung von malerisch dargestellten Locken und aufgemalten Blutspuren. Zudem zeigt der Corpus einige plastische Wundmale, die von einem grünlich-gefärbten Hof, eine Art von Verwesungszustand, umgeben sind. Ebenso bewundernswert erscheint die Ausarbeitung des Brustkorbes, die starke Betonung des Rippenbogens, sowie die nahezu durchschimmernden Rippen.Bekleidet ist der Corpus von einem locker drapierten Lendentuch, das in großen bewegten Falten die Oberschenkel bedeckt, während der rechte fast völlig freiliegt. Die geschlossene Kontur der Beine verleiht der gesamten Figur ein sich nach oben Drehen, ein geradezu tänzerischer, von Leichtigkeit geprägter Ausdruck. Ganz im Gegenteil zum Moment des Todes, der vermutlichen Todesangst, was äußerst bedrückend wirkt, verkörpert die Drehung und Ausrichtung des Corpus an sich ein fast schwereloses, schwebendes Moment.

Um eine Datierung des Objektes vornehmen zu können, wurden verschiedene Vergleichsbeispiele hinzugezogen. Gerade gegen Ende des 15. Jahrhunderts gab es in Europa in den einzelnen Ländern sehr unterschiedliche Stilentwicklungen und –Ausprägungen. Das vorliegende Kunstwerk zeigt starke Tendenzen zur italienischen Plastik am Ende des 15. Jahrhunderts. Einige Werke von Luca della Robbia seien hier genannt. Neben seinen Marmor- sowie Bronzereliefs hat er auch zahlreiche Objekte in Ton ausgeführt. Die im Jahr 1465 entstandene „Kreuzigung“ ermöglicht einen direkten Vergleich mit dem hier beschriebenen Corpus – Rippenbogen, durchschimmernde Rippen sind sehr ähnlich umgesetzt. Auch das stark bewegte Lendentuch zeigt Parallelen. Der „Heilige Jakobus der Ältere“ von 1440 aus der Kapelle Santa Croce in Florenz zeigt eine äußerst eindringliche, individuell dargestellte Mimik des Heiligen. Insbesondere die Augenpartie erinnert an das vorliegende Kunstwerk.

Auch der Hinweis auf den bedeutenden Renaissancemaler Andrea Mantegna sei an dieser Stelle erlaubt. Der oft in seinem Werk dargestellte „Heilige Sebastian“ aus den Jahren 1467 und 1480 erlaubt Parallelen zu der Körperlichkeit dieses Gekreuzigten auszumachen. Gerade in der Umsetzung des Burstkorbs.

Bei der Frage nach einer möglichen Datierung muss man jedoch neben den Stilmerkmalen und Vergleichen mit anderen Kunstwerken auch die Technik in Betracht ziehen. Bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat man insbesondere in den Niederlanden und im Elsaß Reliefs aus Cartapesta, ein aus zerstampften und in Wasser gelöstem Papierbrei, der u.a. mit Kreide und Leim gemischt, hergestellt. Allerdings ist es dem Autor nicht möglich gewesen, eine Verbindung zu den Niederlanden oder gar zum Elsaß mit dem hier vorgestellten Werk zu finden. Im 18. Jahrhundert wurde diese Technik verstärkt für Büsten, Statuen und Krippenskulpturen in Europa genutzt.

Durch die zugrunde liegenden Vergleichsbeispiele und die Betrachtung der Entwicklung und Nutzung von Cartapesta erlaubt das vorliegende Werk „Gekreuzigter“ möglicherweise in die späte zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert zu werden.

 

 

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Skulptur „Gekreuzigter“

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